Lagerplanung

Wo fängt die Lagerplanung an und wo hört die Lagerplanung auf?

In der Regel macht sich kaum ein Unternehmen Gedanken darüber, wie lange es mit den momentan genutzten Lägern noch geht. Erst, wenn entweder die physische Kapazität an Lagerplätzen oder die dynamische Kapazität nicht mehr ausreichend ist, wird sich diesem Thema gewidmet.

Die Lösungen sind meist sehr pragmatisch. Es werden zusätzliche Lagerflächen angemietet oder die Logistikdienstleister bieten zusätzliche Stellplätze an. Auch werden schon mal Zelte aufgebaut als „vorübergehende“ Lösung, die in der Praxis oft viele Jahre genutzt werden. Letzteres ist baurechtlich und brandschutzrechtlich nicht immer eine vollkommene Lösung.

Oder es wird, sofern noch Baugrund vorhanden, in eine weitere Lagerhalle investiert.
Diese Lösungen helfen dem Unternehmen nur vordergründig, da sie in der Regel zusätzliche, oft unnötige Kosten verursachen, z. B. für innerbetriebliche Transporte zwischen den Lagerorten.

Detaillierte Betrachtung der logistischen Anforderungen

Um das Problem gründlich, langfristig und nachhaltig anzugehen kommt das Unternehmen nicht an einer detaillierten Betrachtung der logistischen Anforderungen herum. Sofern dies mangels Zeit und Kompetenzen nicht aus eigener Kraft geschehen kann, stehen externe Planungspartner dafür zur Verfügung. Diese bringen obendrein noch den Vorteil des „ungetrübten“ Blickes mit, da sie zurecht auch vieles in Frage stellen, was ja „schon immer so“ gehandhabt wurde.

Eine Analyse der Ist-Situation im Bereich der Prozesse, der Infrastruktur (Assets/Gebäude/Technik) und der Mengen (Kapazitäten, Durchsätze) zeigt die aktuellen Anforderungen und bietet die Chance zu einer Optimierung nach dem Motto – das Richtige, richtig tun.

So können z. B. Arbeiten, die heute von eigenen Mitarbeitern im Lager im Bereich der Konfektionierung abgewickelt werden komplett an Dienstleister outgesourced werden, die mit Hilfe von Werkverträgen eine Win-Win Situation für alle Beteiligten erreichen.

Außerdem sollten die Unternehmen immer eher in die Prozessoptimierung investieren, als in neue Lagerhallen. Werden doch die letzten Filet-Stücke des Grundstücks oft viel besser für künftige Erweiterungen der Produktion freigehalten.

Bestandsmanagement und Lagerplanung

Eine große Rolle spielt auch das Bestandsmanagement, was ja wesentliche Auswirkungen auf die benötigten Lagerkapazitäten hat. In den Lägern prallen oft die nicht abgestimmten Aktionen von Einkauf, Vertrieb und Produktion aufeinander. Jeweils starke, einflussreiche Bereiche, deren Anforderungen von den Logistikern gelöst werden sollen. Dies geht aber nur in bestimmten Maßen und führt wiederum oft zu unnötigen Kosten.

Die Einbeziehung dieser Unternehmens-Bereiche mit ihren teilweise gegensätzlichen Interessen ist im Rahmen der Planung künftiger logistischer Anforderungen auf Basis der aktuellen Ist-Analyse aus meiner Sicht unverzichtbar. Auch dies spricht für eine Moderation durch einen externen Partner, dem kein Eigennutz unterstellt werden kann, wie das sonst schnell passiert bei unterschiedlichen Interessenlagen. Als Beispiel seien hier Rabatte durch große Einkaufsmengen genannt, denen die Kosten für die Lagerung gegenüber zu stellen sind.

Lagerplanung - Blick in die Glaskugel

Es gilt vor einer Lagerplanung letztlich den Blick in die Glaskugel zu wagen, obwohl niemand weiß, wie sich die Rahmenbedingungen für das Unternehmen entwickeln werden, speziell in unserer heutigen Zeit, die sich von einer Krise zur nächsten bewegt.

Hier helfen im Rahmen der Lagerplanung unterschiedliche Denkansätze von einem Worst Case bis zum Best Case-Szenario, um sich dann auf ein Szenario zu einigen, welches mittelfristig bedient werden soll.

Vorgehensweise Lagerplanung

Nach der detaillierte Betrachtung der logistischen Anforderungen, der Einbeziehung des Bestandsmanagements und der prognostizierten Entwicklung des Unternehmens sind damit endlich die Voraussetzungen gegeben über die zukünftige Gestaltung der Lagerlogistik nachzudenken. Auch dies kann das Unternehmen aus eigener Kraft betreiben, was neben dem Tagesgeschäft allerdings zusätzliche Anstrengungen für die involvierten Mitarbeiter bedeutet.

Alternativ dazu wird ein externer Dienstleister, ein Logistikplaner engagiert. Dieser macht sich zunächst ein eigenes Bild auf Basis der ermittelten Zahlen, Daten, Fakten – sofern er nicht bereits im Vorfeld mit der Ist-Analyse beauftragt war.

Im Anschluss erfolgt die „Konzeptphase“ in der verschiedene Lösungsszenarien grob dargestellt und bewertet werden, jeweils mit dem erforderlichen Investitionsbudget und den Vor- und Nachteilen der einzelnen Konzepte im Vergleich untereinander.

Dieser Schritt ist unbedingt wichtig, da im Vorfeld der detaillierten Lagerplanung sämtliche Optionen betrachtet werden sollen, damit im späteren Projekt der Fokus ausschließlich auf der favorisierten Lösung bleibt. Alles andere hat verheerende Auswirkungen auf die Projektlaufzeit, die in der Regel einen klaren Endpunkt hat. Außerdem kann man nur bei Kenntnis mehrerer Varianten, die man untersucht hat, wissen wie gut der Kompromiss ist, den man mit der Vorzugslösung umsetzt.

Diese Schilderung zeigt auf, wie wichtig die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Planer ist, der über die aktuellen Marktkenntnisse verfügt. Sowohl über die technologischen Vorteile der verfügbaren Systeme im Bilde ist, wie auch über aktuelle Marktpreise für die grobe Kostenschätzung und realistische Lieferzeiten. Die verschiedenen Varianten reichen unter Umständen von einer manuellen Lagerung bis hin zu komplexen automatisierten Lösungen.

Die Alternative zu diesem Vorgehen wären direkte Gespräche mit möglichen Anbietern, die jeweils auch gern eine Lagerplanung anbieten, allerdings in der Regel nicht mehr zum „Null-Tarif“. Stellt sich also die Frage, wie ihr Geld für die Lagerplanung sinnvoller investiert wird?

Anbieter Lagerplanung

Die Anbieter lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

Generalunternehmer (GU) oder Integratoren, die sich zumeist mit eigener Steuerung oder eigenem WMS (Warehouse Management System) oder eigenem MFR (Materialflussrechner) einbringen oder solche, die als Kernkompetenz ihres GU-Auftritts eine SAP EWM Integration leisten können.

Andere Anbieter sind Hersteller von Regalbediengeräten (RBG oder RFZ) und oder Fördertechnik, die ebenfalls als GU auftreten oder auch Generalplaner, die über die Technik hinaus auch noch das Gewerk „Bau“ abdecken.Mit wem aus diesem Kreis auch immer gesprochen wird, derjenige hat vorrangig immer nur sein eigenes System vor Augen, dass er verkaufen möchte, während ein „neutraler“ Planer jeweils unterschiedliche Ansätze und Lösungen verfolgt, mit dem Ziel die beste Lösung für die Anforderungen des Kunden zu finden. Ein Automatisierungsanbieter wird somit keine manuelle Lagerung als Alternative untersuchen.

Dann kommt der Moment der Angebotsprüfung, in dem spätestens festgestellt wird, dass die vorliegenden Angebote kaum vergleichbar sind, da jeder Anbieter sein Angebot nach seinen Kriterien aufbaut.

Auch hier hilft der externe Planer zu dessen Aufgaben die Sicherstellung der Vergleichbarkeit, der verschiedenen Angebote gehört. Dies wird mit einer entsprechenden Ausschreibung gewährleistet, welche die spätere Vergleichbarkeit der Angebote zulässt. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Nutzung des Wettbewerbs und der Preisverhandlung mit den Anbietern gegeben.
Soviel zur Theorie der Lagerplanung

Fazit Lagerplanung

In der Praxis sind die Zusammenhänge viel komplexer. So ist es oft schwierig, die tatsächlich gewünschten Komponenten in einer Lagerplanung zusammen zu bringen. Die Geschäftsinteressen einzelner Anbieter und deren Kooperationsvereinbarungen miteinander, lassen dies schwierig werden. Auch wählen die Anbieter sehr genau aus, auf welche Ausschreibungen von welchen Planern für welche Endkunden (sofern bekannt) überhaupt eingegangen wird, was u. a. auch mit der „gelebten“ Neutralität der Planer einher geht. Darüber hinaus ist die jeweilige konjunkturelle Auslastung der Branche entscheidend für die Findung der richtigen Lieferanten und des angemessenen Investitionsbudgets.

Die Findung der richtigen Partner für die jeweiligen Aufgaben im Bereich der Lagerplanung gehört zu den Kernkompetenzen von contact. Seit über drei Jahrzehnten verfolge ich das Marktgeschehen aus Sicht der Technik-Anbieter und der Planer.

Der kürzeste Weg zum Ziel!